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Nachbarschaftshilfe: «Unser Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen»

Aktualisiert: 8. März 2023


Die Genossenschaft Zeitgut Höngg-Wipkingen umfasst rund 220 Mitglieder und ist eine von 14 lokalen Nachbarschaftshilfen in der Stadt Zürich. Sie fördern und vermitteln die nachbarschaftliche Hilfe im Quartier, wie beispielsweise Einkäufe erledigen, jemanden zu Terminen begleiten oder Gesellschaft leisten.


Menschen, die sich helfen, werden in sogenannten «Tandems» zusammengeführt. «Es sind vorwiegend ältere Personen, die alleine leben und im Alltag auf Unterstützungsbedarf angewiesen sind, welche die Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehmen. Seit der Corona-Pandemie sind jedoch viel mehr Familien dazugekommen.», erklärt Nataša Karnath, die Leiterin der Geschäftsstelle Höngg-Wipkingen. Sie ist die Ansprechperson für Hilfesuchende und Hilfeleistende im Quartier, vermittelt die Tandems miteinander und ist bei längerfristigen Engagements auch beim ersten Kennenlerntermin mit dabei.



Wertvolle Unterstützung im Alltag

Als bislang einzige Nachbarschaftshilfe in der Stadt Zürich hat sie das Modell der Zeitgutschriften eingeführt. Das Prinzip dahinter ist einfach: Wer Unterstützung anbietet, bekommt diese Zeit gutgeschrieben und kann sie später einlösen, um selbst eine Hilfeleistung zu erhalten. Die Stunden verfallen nicht und können dank der nachhaltigen Ausrichtung auch Jahre später noch eingelöst werden. Die Engagierten im Quartier Höngg-Wipkingen sind grösstenteils im Pensionsalter. Darunter hat es auch 25 jüngere Personen im Alter zwischen 30 und 45 Jahren. «Unser Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen und einen Blick füreinander zu schaffen.», führt Karnath aus, «Wenn daraus echte Freundschaften entstehen, ist dies ungemein schön.» So kommt die benötigte Unterstützung bei denjenigen Menschen im Quartier an, die Hilfe benötigen.



Gemeinsam mit Partnern engagiert

Die Genossenschaft Zeitgut Höngg-Wipkingen ist auch ein Mitglied des schweizerischen Netzwerks «Caring Communities» und kooperiert mit verschiedenen, lokalen Organisationen und Institutionen. Unter den Partnerorganisationen sind u.a. zwei Gemeinschaftszentren in Zürich, die reformierte und katholische Kirchgemeinde, die lokale Spitexorganisation, die Mütter- und Väterberatung und der Quartierverein. Die Genossenschaft pflegt auch einen Rahmenvertrag mit fünf Schulen aus dem Kreis 10 in Zürich, welche Familien mit Unterstützungsbedarf via Schulsozialarbeit oder schulpsychologischen Dienst an sie weiterempfehlen. «Wir stehen nicht in Konkurrenz, wir ergänzen unsere Angebote. Es geht um das Miteinander und darum, gemeinsame Synergien zu nutzen.», führt Karnath aus.



Gemeinschaft pflegen und entwickeln

Der zweite Schwerpunkt der Genossenschaft ist die Pflege der nachbarschaftlichen Gemeinschaft. So organisiert sie in regelmässigen Abständen einen Stammtisch, der allen Interessierten offen steht und dazu dient, neue Kontakte zu knüpfen, Beziehungen zu pflegen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Für das nächste Jahr 2023 sind zwei Pilotprojektes geplant, welche bereits aus externen Fördergeldern finanziert sind. Der Fokus liegt dabei auf der Unterstützung von Alleinerziehenden und Massnahmen gegen die Einsamkeit im Alter. Das Projekt wurde vom Gesundheits- und Umweltdepartements der Stadt Zürich im Rahmen der Altersstrategie 2035 prämiert. Seit September gibt es ein Begegnungsprojekt im Café des Amis, einen sogenannten «offenen Tisch», der Menschen zu gegenseitigen Begegnungen und Gesprächen einlädt.



Grosses Engagement und viel Herzblut

Die persönliche Motivation für die Arbeit von Nataša Karnath sind die engagierten Menschen, das Herzblut und die vielen Ideen für die Gemeinschaft im Quartier. «Es ist ein grosses Privileg, diese Arbeit ausüben zu dürfen.», meint Karnath, «Aber es fällt mir enorm schwer, zwischen den vielen möglichen Projekten und Ideen priorisieren zu müssen». Die Nachbarschaftshilfe ist zu einem grossen Teil spendenfinanziert. «Wir sind eine kleine Organisation und unterstützen die vielen engagierten Menschen, deren Ideen und Visionen. Gemeinsam können wir mit wenigen Ressourcen viel erreichen». Zur Frage nach ihrer Vision meint Nataša Karnath: «Wir möchten im Lokalen wirken und in etwas Grösseres eingebettet sein». Das Engagement, die Motivation und der Tatendrang sind förmlich spürbar – die Projekte und Ideen für die Menschen im Quartier werden hier vermutlich nie ausgehen.


 

Nachbarschaftshilfe

Die 14 Nachbarschaftshilfen in der Stadt Zürich fördern Kontakte im Quartier und koordinieren insgesamt rund 1 ‘500 Freiwillige. Der Förderverein der Nachbarschaftshilfe Zürich unterstützt sie bei ihrer Leistungserbringung und betreibt Öffentlichkeitsarbeit. Daneben existiert das Netzwerk Nachbarschaftshilfe Schweiz, ein Zusammenschluss von eigenständigen Genossenschaften, Vereinen und Projekten, die sich in der Nachbarschaftshilfe mit Zeitgutschriften engagieren.


Zeitgut Höngg-Wipkingen (Kreis 10): https://zeitgut-zuerich.ch/

Nachbarschaftshilfe Zürich: https://www.nachbarschaftshilfe.ch/

Netzwerk Nachbarschaftshilfe Schweiz: https://www.nachbarschaftshilfeschweiz.ch/


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